Angst und Zuversicht. Gedanken anlässlich von Corona

NDR Kultur, "Glaubenssachen", Sendung am 3. Mai 2020

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Das Leben wird gewöhnlich an der Oberfläche des Alltags gelebt. Nur selten wird erfahrbar, dass unterhalb der Oberfläche Abgründe sich auftun: Abgründe von Bedrohung, Krankheit, Verlassenheit, Unglück, Verzweiflung, Sinnlosigkeit. Diese Erfahrungen durchbrechen das Gewöhnliche, das die Normalität ausmacht, sowie die Gewohnheiten, in denen das alltägliche Leben wohnt. Im gewöhnlichen Alltagstrott, seiner Unreflektiertheit und Eintönigkeit, kann es vorkommen, dass ein Durchbrechen herbeigesehnt wird. Wenn dann aber wirklich etwas Abgründiges geschieht, wird die Oberfläche zurückgewünscht, die gewöhnlich als „Oberflächlichkeit“, als Mangel an Tiefe abgetan wird. So war und ist es auch zu erleben in der Konfrontation mit der Corona-Pandemie, die die Perspektive auf das Leben in kürzester Zeit verwandelt hat.

Abgründige Erfahrungen sind gekennzeichnet durch schiere Unfassbarkeit, Unvorstellbarkeit und Fragwürdigkeit von allem, was gerade eben noch gewiss erschien. Was sofort aufbricht, ist Angst, mit einer Wucht, die vielleicht auch etwas mit der modernen Zeit zu tun hat. War diese Zeit nicht das Versprechen, mithilfe von Wissenschaft, Wirtschaft, Technik und Politik die Menschen endlich von allen bedrängenden Ängsten zu befreien? Auf säkulare Weise sollte realisiert werden, was ursprünglich ein christliches Anliegen gewesen war: „In der Welt habt ihr Bedrängnis“, heißt es im Johannes-Evangelium. „Aber habt Mut! Ich habe die Welt besiegt.“ Zumindest im Jenseits sollte jede Bedrängnis überwunden sein. In der Epoche der Moderne wurde hart daran gearbeitet, die Erlösung ins Diesseits vorzuverlegen.

Und dann machen sich außerplanmäßig gerade in dieser Epoche mit neuer Heftigkeit Ängste bemerkbar! Nicht erst jetzt, schon Mitte des 20. Jahrhunderts entstand der Eindruck, das Angstphänomen habe einen „bisher nie erfahrenen Grad erreicht“. Das sagte der Arzt und Psychologe Viktor Emil von Gebsattel in einer christlich inspirierten Sicht auf das moderne Phänomen der Angst. Auch der Arzt und Existenzphilosoph Karl Jaspers wurde darauf aufmerksam: „Eine vielleicht so noch nie gewesene Lebensangst ist der unheimliche Begleiter des modernen Menschen“, schrieb er in seinem Buch Die geistige Situation der Zeit bereits 1931. Jaspers zählte die Angst zu den Grenzerfahrungen, die den Menschen in seinem Kern erfassen. Das spezifisch Moderne der Angst resultierte für ihn daraus, dass die vormalige Geborgenheit des Einzelnen in sozialen, traditionellen und auch religiösen Bindungen zusammengebrochen ist. Jede Erfahrung der Verletzlichkeit der Existenz kann dann dazu führen, „wie ein verlorener Punkt im leeren Raum zu versinken“.

Ausgerechnet in der Moderne, die doch vormoderne Existenzängste weitgehend überwinden konnte, macht sich Lebensangst breit. Von alten Ängsten vor Geistern, Gespenstern, Teufeln, einem strafenden Gott, Fegefeuer und Hölle dank der Arbeit der Aufklärung befreit, richten sich neue Ängste auf die soziale Vereinsamung, die technische Entwicklung, übergriffige politische und ökonomische Systeme, die ökologische Zerstörung, die Schnelllebigkeit der Zeit, die metaphysische Sinnlosigkeit. Die moderne Freiheit selbst ist beängstigend, denn sie ermöglicht auf neue Weise, sich in den von der Befreiung eröffneten Möglichkeiten zu verlieren, das Leben zu verfehlen und die Verantwortung dafür auch noch sich selbst zuschreiben zu müssen. In einer Situation wie der Coronakrise kommen weitere Ängste zum Vorschein, sei es die begründete Angst, sich und Andere zu infizieren, oder die weniger begründete, bald hungern zu müssen, der Grund für Hamsterkäufe. Die Angst, jegliche Freiheit einzubüßen, war bei manchen bald nach den ersten Einschränkungen sogar größer als die Angst um das Leben.

Ängste kennen grundsätzlich alle Menschen von Kindesbeinen an. Im Unterschied zur Furcht, die mit einem konkreten Anlass zu tun hat, der ins Auge gefasst werden kann, ist Angst ein Gefühl, das von einer nicht klar erkennbaren Bedrohung, von etwas, das unheimlich erscheint, ausgelöst wird. Ein Virus, völlig unsichtbar und ungreifbar, eignet sich dafür bestens. Es ist ein Gefühl, bei dem das Ich sich als schwach und ausgeliefert erfährt, wozu es sich nicht gerne bekennt. Ein modernes Ich ist stolz auf seine Selbstbestimmung, es will sein Leben nicht von einem kleinen Virus fremdbestimmen lassen. Daher dauerte es eine Weile, bis Freiheitseinschränkungen zur Eindämmung der Pandemie die erforderliche Akzeptanz fanden. Aber kaum hatten sie halbwegs das erwünschte Ziel erreicht, wurden sie dem Staat zum Vorwurf gemacht, ein altbekannter Reflex. Um das Unfassbare fassbarer zu machen, wird der Anlass für Ängste auf etwas oder jemanden projiziert 

Angst kommt von Enge. Das Wort „Angst“ geht zurück auf das lateinische angustía, was soviel bedeutet wie Enge, Engpass, Beschränktheit, Bedrängnis, missliche Lage. Das Lateinische wiederum geht zurück auf das griechische Verb áncho: einschnüren, würgen und in diesem Sinne quälen. Das Wort verweist auf das Phänomen, das mit dem Begriff Angst zu fassen versucht wird: Die Weite der Möglichkeiten reduziert sich auf eine einzige, in ihrer Enge bedrohlichen Wirklichkeit, und dies womöglich in einem Maße, das auch im physischen Sinne lebensbedrohlich werden kann, da die Luft zu atmen abgeschnürt wird. Es ist nicht immer ein sicherer Maßstab dafür zu finden, ob es sich tatsächlich so verhält oder nicht.

Tückisch ist nämlich, dass Ängste auch ganz gut ohne Gründe auskommen. Wie ist das zu erklären? Es könnte sein, dass die menschliche Existenz in jedem Fall der Angst bedarf, egal wovor. Angst könnte, in welcher Form und zu welcher Zeit auch immer, von Grund auf ein Element des Lebens sein. Aussichtslos, jemals mit ihr fertig zu werden. Dass die Angst von existenzieller Bedeutung ist, zeigt sich am Reichtum ihrer Erscheinungsformen und auch daran, dass Anlässe zur Angst geradezu gesucht werden, wenn es im gewöhnlichen Leben daran fehlt. Das könnte die Sicherstellung eines existenziellen Angstquantums sein, damit das Leben nicht unerträglich flach und spannungslos wird. Sobald ein bestimmtes Quantum an Angst unterschritten wird, setzt folglich eine Gegenbewegung ein. Die Lust an der Angst, die Krimis, Gruselfilme, Abenteuersport und Extremsituationen gewähren, wäre so zu erklären.

In der Epoche der Moderne haben Philosophen bemerkenswerte Anstrengungen zu einem existenziellen Verständnis der Angst unternommen, beginnend mit dem dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. In seiner 1844 erschienenen Schrift Der Begriff Angst, die vor allem seiner Selbstverständigung als Christ diente, nahm er bereits die modernen Verhältnisse in den Blick, die eine neue Form von Angst hervortreiben. Die Auflösung aller Bindungen und metaphysischen Bezüge, die einstmals für fest gehalten wurden, erzeuge einen „Schwindel der Freiheit“. Insofern der Mensch sich ängstige, verhalte er sich jedoch zu sich selbst, zu seiner Freiheit, sich selbst bestimmen zu können. Die Angst sei daher die bestmögliche Lehrerin des Lebens. Karl Jaspers pflichtete ihm ein Jahrhundert später bei: Mit der Angst beginne, wenn überhaupt, die bewusste Lebensführung, die dem Gefühl der Verlorenheit etwas entgegensetze, indem ein Mensch entdecke, was ihm im Leben wichtig ist.

Das heißt: Wir verdanken der Angst auch etwas, vielleicht sogar das Leben, wenn wir sie rechtzeitig ernstnehmen. In der Coronakrise hat sich gezeigt, dass die Angst zur rechten Zeit dazu geführt hat, sich zu wappnen. Es gibt also gute Gründe dafür, Ängste grundsätzlich zu akzeptieren. Die Schwäche der Angst ist in Wahrheit eine Stärke. Es kann ein Problem sein, keine Angst zu haben, da dann die Sensibilität für Gefahren fehlt. Wer keine Angst empfindet, ist auf Schritt und Tritt bedroht, da er nicht mehr in der Lage ist, Gefahren wahrzunehmen. Angst ist also nicht von Grund auf pathologisch, sondern kann wohlbegründet sein, etwa als Ahnung der Brüchigkeit, Bedrohtheit und Fragwürdigkeit von allem.

Angst zu haben um sich und das eigene Leben, wird somit zum Anfang der Lebenskunst. Wenn sonst nichts dazu führt, sich um sich und dieses Leben zu kümmern, dann ist es die Angst. Sie ist Bestandteil einer Kultur der Sorge, insofern jede Sorge mit der ängstlichen Sorge um etwas oder jemanden einsetzt. Mit Kultur ist gemeint: die Pflege von etwas und der bewusste Umgang mit etwas, hier mit der Angst selbst. Die anfängliche, zunächst nur vage empfundene ängstliche Sorge ist eine Bangigkeit, deren Unruhe von den Fragen herrührt, die sich von selbst irgendwann stellen: Ob das Leben, so wie es gelebt wird, bedroht ist. Ob das Ich, so wie es erfahren wird, auf dem richtigen Weg ist. Ob die Verhältnisse, die auf das eigene Leben einwirken, schädlich oder förderlich sind. Die ängstliche Sorge aktiviert das Eigeninteresse des Einzelnen und sorgt für eine erste Selbstaneignung, die darin besteht, sich für sich und die Verhältnisse zu interessieren, in denen das Selbst lebt.

Damit kommt der gesamte Bewusstwerdungsprozess in Gang, der zum erweiterten Eigeninteresse und zur aktiveren klugen Sorge führt. Angst haben zu können, zeugt von Sensibilität für das eigene Selbst, aber auch für Andere, die für das Selbst Bedeutung haben, da es für sich allein gar nicht leben kann. Letzten Endes richtet sich die kluge Sorge auf die gesamte Gesellschaft und die Welt, ohne die das eigene Leben nicht denkbar ist. Sensibilität ist eine wertvolle Ressource und als Grundlage der Klugheit völlig unverzichtbar. Sie befördert die Vorsicht, Rücksicht, Umsicht und Voraussicht, die die Klugheit ausmacht. Der Prozess ist nie abgeschlossen, jede und jeder lernt dabei immer weiter dazu, insbesondere durch die Erfahrung von Krisen, denn wenn alles normal läuft, gibt es nicht viel zu lernen.

Entscheidend ist nur die Frage, ob der Stachel der Angst aufgenommen wird, um ihn kreativ zu wenden. Niemand kann natürlich auf eine Akzeptanz der Angst verpflichtet werden, es gibt keine zwingende Notwendigkeit dazu. Vielmehr handelt es sich um eine Option, eine Möglichkeit, die gewählt, jedoch auch gelassen werden kann. Ein wichtiger Grund für die Akzeptanz könnte der Blick auf das mögliche Schöne und Bejahenswerte des künftigen Lebens sein. Es ist merkwürdig, aber ausgerechnet in der Erfahrung der Angst scheint ein Mensch den tieferen Atem schöpfen zu können, der nötig ist, um in kommenden Zeiten neue Höhen des Lebens zu erklimmen. Wer „tief unten“ ist, kann die Kräfte sammeln für den Weg „nach oben“. Ein Automatismus ergibt sich daraus freilich nicht. Aus Angst wird Zuversicht, wenn erahnbar wird, dass es diesen Weg gibt und dass es mit eigenen Anstrengungen zu tun hat, aus dem tiefen Tal herauszukommen und das Leben wiederzugewinnen.

Derjenige, der Angst hat, hat sie jedoch vielleicht im Übermaß, sodass sie selbst es ist, die sein Leben bedroht. Dann kommt alles darauf an, eine Mäßigung der Angst zu erreichen, sie also auf ein Maß zu bringen, das eträglich und lebbar ist. Therapien können dabei sehr hilfreich sein, wenn akzeptiert wird, dass sie die Angst mäßigen, aber nicht einfach beenden können, und dass es auch nicht sinnvoll ist, Ängste gänzlich zu verlieren. Zu mäßigen ist die Angst aber auch schon dadurch, dass „das Negative“ als Möglichkeit des Lebens grundsätzlich akzeptiert wird. Moderne Menschen haben sich zu sehr daran gewöhnt, immer nur „das Positive“ im Leben zu erwarten, um sich dann im Übermaß zu ängstigen, wenn es ausbleibt.

Um die ängstliche Sorge im Maß zu halten und ihren Überschuss auszubalancieren, kann sie zeitweilig konterkariert werden durch eine gezielte Sorglosigkeit, eine vorsätzliche und kalkulierte Unbekümmertheit. Das ist möglich mit einer Rückkehr zur Oberfläche, wenn das triviale und banale Schöne des Lebens wieder gesucht wird, und sei es mit einem belanglosen Plaudern bei einem Kaffee oder mit mehr oder weniger anspruchsvollen Filmen und Musikstücken. Alle Künste sind Brücken über Abgründe. Die Ideen dazu wurden bei vielen Künstlern aus der Erfahrung der Abgründigkeit heraus geboren. Es liegt viel Weisheit darin, an einer Oberfläche festzuhalten und sogar die Oberflächlichkeit zu pflegen, wenn es zur Bewältigung einer schwierigen Lebenssituation sinnvoll erscheint. Man kann unwichtigen Dingen vorsätzlich Wichtigkeit zuzumessen, um sich daran festzuhalten. Vorsätzlich oberflächlich zu sein, dient dazu, die Oberfläche des alltäglichen Lebens wieder herzustellen, diese relative Festigkeit und Verlässlichkeit, auf deren Grund und Boden sich das Leben für überschaubare Zeit in einem begrenzten Raum einrichten lässt. 

Die Coronakrise lehrt uns, wie das geht. Womöglich werden wir dieses Wissen ein andermal noch brauchen. Dass das Gewöhnliche und Normale zu hegen und zu pflegen eine wichtige Aufgabe ist, wurde zur Erfahrung gerade im Umgang mit dieser Herausforderung, in der die Sehnsucht nach Normalität überwältigend geworden ist. Die Bedeutung von Gewohnheiten trat umso mehr hervor, je weniger sie gleichbleiben konnten. Sie sind es, die einer drohenden Sinnlosigkeit Einhalt gebieten können. Indem sie in aller Subjektivität die Zusammenhänge des Gewohnten herstellen, gründen sie selbst Sinn, jedenfalls den alltäglichen Sinn, in dessen Rahmen das Leben erst einmal weitergehen kann. Sobald es möglich ist, sich wohnlich im Garten am Rande des Abgrunds einzurichten, lässt sich aus diesem geschützten Raum heraus besser über Sinn und Sinnlosigkeit von Leben und Welt nachdenken.

Was die Angst in Zuversicht verwandeln kann, ist vor allem der Tastsinn, die Berührung, die keine Worte braucht. Ja, sie fehlt vielen in der Krise, aber diese Erfahrung kann zum Anlass genommen werden, sie künftig weniger zu vernachlässigen. Die erwünschte Berührung macht jede Angst vergessen. „Kann ich näher bei Dir liegen, dann habe ich nicht mehr so viel Angst“, hören Eltern von ihren Kindern, aber das Bedürfnis nach solcher Nähe verliert sich auch im Erwachsenenalter nicht. Berührung vertreibt Angst, und dies auf allen Ebenen der Berührung, nicht nur der körperlichen, sondern auch der seelischen Ebene etwa einer Freundschaft, der geistigen eines intensiven Gesprächs, und schließlich der metaphysischen mit Bezugs zu einer Dimension der Transzendenz. Jede Berührung vermittelt eine Erfahrung der Transzendenz, der Überschreitung der engen Grenzen des Ich. Das Ich fühlt sich nicht mehr metaphysisch einsam, und dieses Gefühl entspricht einer Wirklichkeit, denn ein Mensch wächst mit jeder Berührung eines Anderen bereits über sich hinaus.

Zugleich gilt es für mehr Zuversicht auch die Fähigkeit zur Distanz zu kultivieren, und damit ist nicht das Social Distancing gemeint, das in der Coronakrise notwendig geworden ist. Distanz zu wahren zu all dem, was bedrohlich erscheint, gehört zur Kunst des Umgangs mit der Angst. Wenn Menschen sich nicht mehr in einem großen Ganzen aufgehoben und geborgen fühlen können, für das ein Gott bürgt, dann eben auf weltliche Weise. Schon in der Antike nutzten Philosophen von Platon bis Marc Aurel den imaginären, vorgestellten Blick von hoch oben, um aus der Distanz die Dinge und Verhältnisse dort unten zu relativieren. Wie damals die Stoiker kann man heute erst recht einen Gedankenflug ins All unternehmen, um in weiter Ferne den Blick umzuwenden und auf das zurückzublicken, was auf dieser Erde bedrückend eng erscheint.

Das ist der Gewinn des Blicks von oben, von außen, aus der Ferne: Die Füße lassen sich wieder „auf weiten Raum stellen“, mit religiösen wie auch mit weltlichen Mitteln. In Gottes weiter Welt oder, anders gesehen, in den unendlichen Weiten des Kosmos gibt es eben auch schwierige Zeiten zu bewältigen, im einzelnen Leben wie auch im Leben der Menschheit überhaupt. Das Paradies ist anderswo oder womöglich nirgendwo. Die Enge des Alltags wird transzendiert, um wenigstens für einen Moment „über den Dingen zu stehen“ und die weit übergreifenden Zusammenhänge wieder zu sehen. Nicht für immer, aber lange genug, um denken zu können, dass das, was uns momentan beängstigt und kein Ende mehr zu nehmen scheint, im Rückblick nur noch eine Episode sein wird. Mit dem Abstieg und der Rückkehr in den Alltag beginnen dann unweigerlich wieder die Mühen der Ebene.

Das Bewusstsein, das in der Coronakrise zu wachsen scheint, dass die gesamte Menschheit eine Schicksalsgemeinschaft ist, kann eine neue Seite im Geschichtsbuch aufschlagen. Dieses Bewusstsein kann hilfreich sein, wenn es um die weitaus größere Herausforderung der Klimakrise geht, die nur eine kleine Atempause einlegt, solange die Atmosphäre mit etwas weniger Kohlendioxid belastet wird. Auch beim Klima wäre es sicherlich klug, die Angst vor einer möglichen Ausweitung der Krise frühzeitig ernstzunehmen und nicht als Panikmache abzutun und damit wertvolle Zeit zu verlieren. Auch in dieser Hinsicht können die Erfahrungen aus der Coronazeit eine wichtige Lehre sein. Sollten berechtigte Ängste angesichts der Klimakrise weiterhin als Hysterie abgetan werden, findet das hoffentlich nur noch bei wenigen Gehör. Wir wissen jetzt, dass es um ein rechtzeitiges Handeln geht. Angst und Zuversicht schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil: Genau dann, wenn wir unsere Ängste ernstnehmen und Vorsorge treffen, um für alle Fälle gut gerüstet zu sein, können wir auch voller Zuversicht sein.


 

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